Neuer Verteidigungsminister bringt frischen Wind in die Bundeswehr: „Ein Panzer mit Segel spart viel Treibstoff“

Frei nach Clausewitz marschiert unser Blog „zur Lage“ bekanntlich immer ganz vorn, nämlich „an der Spitze des Fortschritts“. So haben wir aktuell, noch weit vor dem 26. September, ein Interview mit dem neuen Verteidigungsminister geführt. Obwohl er vielleicht niemals ins Amt kommt, natürlich überhaupt nichts von diesem Gespräch weiß und vielleicht nicht einmal existiert. Klar, unwichtige Details, wenn es um unser aller Sicherheit geht.    

zL: Sehr geehrter Herr Minister, Ihre Partei hat sich, in die Glaskugel geschaut, erdrutschartig durchgesetzt. Die neue überbreite Mehrheit aus Froschgrün, Schamrot und Knallrot konnte nun alle Bundesministerien unter sich aufteilen. Verteidigung ist allerdings nicht Ihr Fachgebiet, Ihr Name war in diesem Kontext vorher nie gefallen. Auch sind Sie erstaunlicherweise ein Mann (!) nach zwei Ministerinnen. Eigentlich rückschrittlich, oder?

Malte Kimmenkorn: Stimmt schon, aber jemand muss es ja machen. Die Frauen in unserer Partei meinten, mit Killern, Neonazis und kaputter Technik wollten sie nichts zu tun haben. Ich als Experte für das künftig massiv zu forcierende Tierwohl bei und nach der Schlachtung sei da deutlich besser geeignet. Tatsächlich habe ich mal, so erinnere ich mich, vor einigen Jahren in unserer Stadt einen Soldaten in Uniform gesehen. Vielleicht war es aber auch ein Feuerwehrmann. Oder ein Pilot. Oder der Gasableser …

 

zL: Klingt, tja, schon ein wenig improvisiert. Wo werden Sie denn Ihre Schwerpunkte setzen?

Malte Kimmenkorn: Lassen Sie mich mit einem klaren Bekenntnis zu unserer Bundeswehr beginnen: Wir brauchen diese Armee!

 

zL: Hä?

Malte Kimmenkorn: Doch, dazu stehe ich. Wegen der Truppenübungsplätze. Durch diese Sperrgebiete sind einzigartige Tier- und Pflanzenwelten entstanden, die es sonst nicht mehr geben würde. Die gilt es aktiv zu schützen. Natürlich muss die Truppe auf die alberne Knallerei künftig verzichten. Vor allem der gelbschnäbelige Hasensittich und die hundsgemeine Blindratte sind in der Paarungszeit von Januar bis Dezember sehr empfindlich.

 

zL: Sind Sie sicher, dass es diese Tiere tatsächlich gibt? Davon haben wir noch nie gehört.

Malte Kimmenkorn: Es geht um die Sache, nur das Ziel zählt. Nur wer Chancen bekommt, kann Chancen nutzen. Ich sage: Bereit, weil Ihr es seid! Und: Grün ist Überholen auf dem Radweg!

 

zL: Mmmmh. Und sonst?

Malte Kimmenkorn: Ich betonte es bereits: Die Streitkräfte müssen grüner werden! Da wissen wir vor allem den Reservistenverband an unserer Seite, der in seinem Magazin „Loyal“ bereits mutig festgestellt hat, dass die Bundeswehr ein riesengroßes Umweltferkel ist. Da steht, dass ein „Leopard 2“ mehr als das Fünfzigfache eines normalen Pkw verbraucht! Lassen Sie es mich deutlich sagen: Wir wollen die dicksten Kartoffeln auch ohne Glyphosat.

Unser neuer Verteidigungsminister: Malte Kimmenkorn (29 o. 41):   

zL: Aha. Wie wollen Sie aber dieses typisch militärische Problem, das ja mit Schutz und Überlegenheit im Gefecht zu tun hat, lösen?

Malte Kimmenkorn: Eine Kartoffel, nein, ein Kampfpanzer ist zum Beispiel viel zu schwer und verbraucht deshalb so verschwenderisch viel Treibstoff. Das geht auch nachhaltiger: Weg mit der schweren Kanone, ab mit der dialoghemmenden Panzerung! Und schon sind wir bei einem Verbrauch von unter 20 Litern pro 100 km – statt der irrwitzigen 414 Liter. Es gilt, mit unverstelltem Blick neu zu denken. Was ist mit Sonnenkollektoren statt Panzerplatten? Mit Kettengliedern aus recycelten Bierdosen? (redet sich in Begeisterung) Ein großes Segel hoch oben auf dem Turm könnte die Windkraft zur Treibstoffreduzierung mobilisieren. Noch einfacher: Bringen wir den Panzer zurück auf die Schiene! Das ging doch früher auch, da war nicht alles schlecht. Außerdem werde ich die Bundeswehr auf Bio-Waffen umrüsten. Bei der Luftwaffe löst sich das Problem ohnehin von selbst: durch unser generelles Verbot aller Inlandsflüge. Und unser neues Verbot aller legalen Schusswaffen für ein sichereres Land ist selbstverständlich ebenso für Bundeswehr und Polizei bindend. Zukunft kann man wollen. Oder machen!

 

zL: Und die Marine?

Malte Kimmenkorn: Margarine? Wozu braucht die Bundeswehr so etwas? Es sind doch fast alle im Homeoffice … Außerdem (hebt mahnend den linken Zeigefinger): Gesundes Essen kommt nicht aus einer kranken Natur! Ist Margarine eigentlich vegan?

 

zL: Wir dachten schon an die Schiffe, nicht an den Brotaufstrich. Da haben wir wohl etwas zu sehr genuschelt. Maaarine, Mariiiine!!!

Malte Kimmenkorn: Da geben Sie mir das Stichwort: der Tarnanstrich. Eine Friedenstruppe braucht doch etwas derart Hässliches gar nicht. Ich werde deeskalierende Regenbogenfarben einführen. Die sieht man auch im Straßenverkehr besser, erhöht also unser aller Sicherheit auf ganz einem ganz anderen Schlachtfeld (schmunzelt zufrieden ob seines gelungenen Wortspiels). Übrigens: Diese hässlichen Dienstgrade schaffe ich ab. Bedenken Sie, wie viel Unglück arrogante deutsche Generale, näselnde Leutnants und stumpfe Unteroffiziere über die Welt gebracht haben! Schauen Sie nur einmal amerikanische oder russische Kriegsfilme! Wird eigentlich diese Pickelhaube noch getragen? Die schaffe ich jedenfalls auch ab. Darauf haben Sie mein Wort.

 

zL: Ihr Koalitionspartner will die Bundeswehr grundsätzlich nicht mehr in Auslandseinsätze entsenden. Sind auch Sie dafür, sich aus der Welt zu verabschieden?

Malte Kimmenkorn: Dafür spricht viel. Wir sollten uns nicht in fremdartige Kulturen einmischen. Diese haben ebenfalls ihre Berechtigung. Wir sind alle Menschen, und alle Menschen sind gleich, ob Osama, Adolf, Idi, Saddam, Lukrezia oder Wladimir. Wir müssen zunächst fremdartig Erscheinendes verstehen lernen – Blutrache, Kinderhochzeiten oder das Abbrennen von Mädchenschulen müssen nicht grundsätzlich schlecht sein. Wir stehen für Toleranz! Kommt der Mut, geht der Hass. Außerdem wissen wir als Klima-Aktivisten: Dieses Unheil ist menschengemacht. Liegt darin nicht ein zutiefst philosophischer Aspekt? Je weniger Menschen, desto weniger Erderwärmung (schaut nachdenklich drein). Das könnte auch eine neue Rolle für die Bundeswehr sein. Ich frage Sie: Wen würde das Klima wählen? Wie würde es entscheiden?

 

zL: Wir sind schon ein wenig verwirrt, Herr Minister. Aber gestatten Sie im Gegenzug noch eine persönliche Frage: Sie sind, so schreiben Sie in Ihrem Lebenslauf, 29 Jahre alt, In Wikipedia steht 41. Egal. Haben Sie eigentlich damals noch Wehrdienst geleistet?

Malte Kimmenkorn: Gott bewahre, ich bin doch kein Mörder! Wobei: Für diese Wortwahl entschuldige ich mich natürlich. Wir tolerieren die Atheisten. Vielleicht ist Gott ja auch tot.

 

zL: So schwarzseherisch sollte aber kein Interview enden. Haben Sie vielleicht noch ein aufmunterndes Schlusswort für unsere Leserinnen und Leser?

Malte Kimmenkorn: Immer. Lassen Sie uns doch gemeinsam etwas singen. Das verbindet wie Essen und Trinken nach der Mai-Demo in Berlin. Wie wär’s mit: „Proletarier aller Länder / einigt euch und ihr seid frei. / Eure großen Regimenter / brechen jede Tyrannei!“ Oder: „Völker, hört die Signale! Auf zum letzten Gefecht!“ Das sang damals immer mein Opa, wenn er betrunken war. Und so etwas gefällt doch bestimmt auch den Bundeswehr-Soldaten – ab jetzt meine tapferen Mitstreiterinnen und Mitstreiter (freut sich über das erneute brillante Wortspiel, macht eine längere Kunstpause). Es ist doch ein gutes Schlusswort für mich als Neuling unter (beginnt zu singen) 99 Kriegsminister, Streichholz und Benzinkanister …

 

zL: Das Internet ist jetzt leider voll. Wir müssen zum Schluss kommen und danken Ihnen, Herr Minister, für das, ömm, grandiose Gespräch! (leise) Nix wie weg!

Malte Kimmenkorn: (singt fröhlich hinterher) Kriegsminister gibt’s nicht mehr. Und auch keine Düsenflieger …

 

Zu den Fotos:

Neuer Minister, neue Wege: Die ersten Prototypen umweltfreundlicher Gefechtsfahrzeuge wurden soeben vorgestellt. Der „Fennek“ als umweltfreundlichstes Spähfahrzeug der Welt mit Segel und Zugdrohne. Rechts der Windkraft-Dingo, mit 0,45 km/h schon ganz schön flott unterwegs. Danke, Malte! 

 

 

 

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