Alumninetzwerk der FüAkBw – Interview mit Jürgen Henke

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Herr Henke, Sie sind momentan als Reservist tätig, beschreiben Sie kurz Ihren Aufgabenbereich.

In Hollywood würde man wohl sagen, dass die Rolle, die ich besetzen darf, mir auf den Leib geschrieben ist. Ich diene beim German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS), einem Kooperationsprojekt der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) und der Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg. Hier kümmere ich mich um das Alumni- und Expertennetzwerk der FüAkBw. Zudem organisiere ich die neue Veranstaltungsreihe #GIDSdebate und wir beginnen allmählich auch wieder, über größere Veranstaltungen im internationalen Umfeld nachzudenken. Damit sind meine großen Passionen „Events“ und „Networking“ tiefer Inhalt meines Reservistendienstes.

 

Im zivilen Leben sind Sie Geschäftsführer einer Event Agentur in Hamburg, welche Kenntnisse und Erfahrungen aus der Wirtschaft können Sie in die Tätigkeit an der Führungsakademie einbringen?

Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung mit Events im Business-Umfeld und mehr als 25 Jahren Alumni-Arbeit für die Alumni der Bundeswehr-Unis habe ich sehr klare Bilder vor Augen, wie Dinge aussehen müssen, wenn sie fertig sind. Ein Freund nennt sie gerne Zielfotos. Diese klaren Bilder sind eine wichtige Leitlinie für die Umsetzung von Ideen. Gemeinsam mit den engagierten Mitarbeitenden am GIDS und in der FüAkBw in Uniform und in Zivil konnten wir schnell erste Erfolge erzielen, Standards setzen. Das ist ein großartiges Gefühl, dort wie hier.

 

Andersherum – konnten Sie in der Vergangenheit für Ihren beruflichen Alltag Erfahrungen aus der Zeit als Reservistendienstleistender übertragen? (bitte mit Beispiel)

Die Bundeswehr, die Offizierausbildung und auch das Studium haben mein Denken und Handeln schon sehr geprägt. Sie haben mir Werte mitgegeben, von denen ich bis heute profitiere. Durch die Übungen bin ich der Bundeswehr-Welt verbunden geblieben und habe mich – übrigens auch an der FüAkBw – weitergebildet, entwickelt, etwas was einem Unternehmer sonst vielleicht nicht so geboten wird.

Mit diesem Hintergrund habe ich mit meinem Team viele Herausforderungen gestemmt, auf die wir wirklich stolz sein können. Unser Meisterstück war sicher die Gala zum 500. Jubiläum der Versammlung eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg e.V., der ältesten wirtschaftsethischen Vereinigung der Welt, im Großen Saal der damals frisch eingeweihten Elbphilharmonie. Das intuitive, in Fleisch und Blut übergegangene Abarbeiten des Führungsvorgangs hat dieses komplexe Projekt zu einem Erfolg gemacht. Klare Zuweisung von Aufgaben, Auftragstaktik, Konzentration auf das Wesentliche, sachorientiertes Arbeiten, auch mal länger als 10, 12 Stunden ohne gleich zusammenzubrechen, ergänzen diesen „Werkzeugkasten“.

 

Sie organisieren u.a. die „LANGEN NÄCHTE DER INDUSTRIE – LNDI“- können Sie sich eine ähnliche Veranstaltung vorstellen, um den Bürgern die Bundeswehr nahe zu bringen?

Der „Tag der Bundeswehr“ setzt bereits sehr vieles hervorragend um, die eingesetzten Soldaten machen einen wirklich sehr guten Job. Um das Format weiterzuentwickeln, könnte ich mir eine stärkere Dezentralisierung und Digitalisierung vorstellen. Das wird wohl mit und nach Corona eine wesentliche Forderung für fast alle Events sein.

 

Sie sehen die Bundeswehr mit einer Innen- und Außenperspektive – was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für die nächsten Jahre?

Die Bundeswehr muss die Digitalisierung vorantreiben, die Kameralistik in haushalterischen Dingen, das Denken in sehr kleinen Kästchen aufbrechen. Sicher kann man Budgets nicht völlig freigeben, aber vielleicht in Teilen und an ausgewählten Institutionen?

Ein Poster zum Pareto-Prinzip (sehr frei interpretiert: lieber 80% jetzt als 100% am Sankt-Nimmerleins-Tag) sollte in jedem Dienstzimmer hängen. Als Unternehmer fälle ich zeitgerecht Entscheidungen, damit mein Kunde, mein Team, mein Dienstleister weiterarbeiten kann und dabei kann ich auch nicht immer die Befindlichkeiten von jedem und allen beachten. Das muss die Bundeswehr wieder neu lernen. Ich freue mich sehr, in meiner Reservedienstleistung hier an der FüAkBw gute Ideen und Entwicklungen in die richtige Richtung zu sehen. Das Ganze mit einem guten Schuss Kameradschaft, Leistungs- und Zielorientierung zu erleben, ist für mich eine sehr schöne Erfahrung.

Vielen Dank.

(Beitragsbild: FüAk/ Roggmann)

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