Grüne und rote Teichmonster

Wie blubbernde Gespenster aus dem vergessenen algengrünen Teich irgendwo im Wald, so tauchen manche sicherheitspolitischen Themen nach vielen Jahrzehnten überraschend wieder auf – echt gruselig! Dabei glaubte man sie doch von der Vernunft längst für immer versenkt. Ältestes jüngstes Beispiel ist die indirekt wiederbelebte Idee der atomwaffenfreien Zone, die deren friedliebende Bewohner zuverlässig vor einem Angriff mit Nuklearwaffen schütze. Das war schon zu den Spitzenzeiten jener sogenannten Friedensbewegung Unlogik pur: Habe ich in der Innenstadt keine Waffe dabei, dann kann mich ein Amokläufer natürlich nicht erschießen. Und verweigere ich den Wehrdienst, gibt es nirgendwo auf der Welt mehr Krieg und Terror.

Eine Karikatur der 1960-er Jahre zeigt eine Atombombe in einer Konferenzrunde mit den Staatsmännern der damaligen Zeit. „Meine Herren, der Friede bin ich!“, steht in der Sprechblase. Das, zugegeben unsympathische Gleichgewicht des Schreckens, nachdem der als zweiter stirbt, der als erster schießt, hat nicht nur Europa eine ungewöhnlich lange Friedensperiode gewährt. Und auch nach dem Mauerfall muss die Frage erlaubt sein, auf welche Ziele eigentlich die modernisierten (!) Atomwaffen Russlands heutzutage programmiert sind. Russlands aggressive, unmenschliche und demokratiefeindliche Politik (Alexej Nawalny, Zelimkhan Khangoshvili oder Ukrainer und Georgier würden nicht behaupten, dass diese Formulierung zu scharf daherkommt), also diese kalte Machtpolitik lässt nicht nur Konservative schaudern. Ist es da wirklich friedenserhaltend, ausgerechnet jetzt den Abzug vom US-Nuklearwaffen aus Deutschland zu fordern?

Wiederbelebt haben diesen Nonsens-Zombie die Grünen. In deren Programm steht ja auch, dass alle legalen Waffenbesitzer in Deutschland enteignet werden sollten, weil diese Maßnahme künftig alle Verbrechen mit illegal beschafften Pistolen und Gewehren zuverlässig verhindern wird. Aber der Teich im fiktiven Grusel-Forst ist zurzeit noch mehr rot als grün gefärbt, soll heißen: Die SPD überschlägt sich mit entsprechenden nostalgischen Ideen. Ihr aktueller Drohnen-Abschuss passt in diese Reihe. Krass erfolgreichere Sozialdemokraten wie Helmut Schmidt würden es nicht fassen, wie der ferne Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien um Berg-Karabach jetzt argumentativ dafür herhalten muss, Bundeswehrsoldaten im Einsatz einen wichtigen Schutz zu verweigern. Mit der immer gleichen Unlogik, siehe oben, wird behauptet, Drohnen töteten „automatisch“ und „anonym“ aus der Ferne, seien also für Deutschlands Militär inakzeptable Killer-Roboter.

Bloß nicht randscharf mit dem Thema beschäftigen! Drohne ist nun mal nicht gleich Drohne und im Übrigen eine neue Entwicklung, die auch im Negativen nicht aufzuhalten ist – wie das Flugzeug oder das Internet. Konsequent wäre es, der Bundeswehr auch schleunigst die weitreichende Artillerie zu verbieten, Flugabwehrraketen und Torpedos. Wenn man zum Töten das Weiße im Auge des Gegners sehen muss, ein sehr menschenfreundlicher Gedanke, bliebe am Ende nur noch das Schwert. Daran halten sich bestimmt auch die Diktatoren, Aufständischen, Terroristen und Gangster.

Werden das dieselben selbstgerechten Streiter fürs Gute und Wahre auch den Angehörigen der Gefallenen erklären, die von denselben Politikern in ein finsteres Krisenland ohne Regeln geschickt worden sind und dort leider Pech gehabt haben? Wirklich ehrlich wäre diese Zielrichtung, wenn man die komplette Bundeswehr verbietet und die Polizei gleich mit. Und die Feuerwehr, weil es dann ja nicht mehr brennt. Gewiss, es geht um Wählerstimmen und bei der SPD sogar um das nackte Überleben. Aber wer soll denn erfolgreich geangelt werden bei diesem unseriösen Fischen in trüben Gewässern? Zumindest für die Mützeniche gilt da: Am Ende wählt man dann doch besser das noch linkere Original. Und die Realisten sind in der Titanic-Partei leider schon längst auf der Flucht oder in die selbige geschlagen worden.

 

(Zum Bild: Nicht immer so niedlich: Drohnen, Foto: mic)

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