Schweiz genehmigt Rüstungskooperation zum baulichen Schutz

Die Rüstungskooperation zum baulichen Schutz wird erweitert

Die internationale Rüstungskooperation zum baulichen Schutz vor Waffenwirkung wird erweitert. Am 14. Juni 2018 trat die Schweiz dem multilateralen Programm zum Schutz der Truppe und Infrastrukturen vor Waffenwirkung bei. Damit gehören derzeit Deutschland, Norwegen, die Schweiz und die Vereinigten Staaten von Amerika diesem Programm an. Jetzt soll diese Runde erweitert werden und die Länder Kanada, die Niederlande, Schweden und das Vereinigte Königreich dem Programm anschließen können. In seiner Sitzung am 28. Oktober 2020 hat der Bundesrat der Schweiz eine Änderungsvereinbarung genehmigt und damit den Weg frei gemacht.

Mit der Aufnahme von Kanada, den Niederlanden, Schweden und dem Vereinigten Königreich können alle Beteiligten noch stärker vom direkten Austausch von technischen und wissenschaftlichen Versuchsergebnissen und von den internationalen Erfahrungen im Bereich Schutz vor Waffenwirkung profitieren.

Ziel des Programms

Um die Auswirkung von großen Sprengladungen auf militärische und zivile Infrastrukturen und Gebäude der öffentlichen Hand besser einzuschätzen, braucht es unter anderem auch aufwendige Versuche. Im großen Maßstab lassen sich solche Versuche in der Schweiz und den Nachbarstaaten nicht durchführen. Daher wurde die internationale Kooperation im Bereich des Schutzes vor Waffenwirkung beschlossen. Dabei geht es um Grundlagen für den baulichen Schutz von Infrastrukturen und den darin untergebrachten Nutzern. Dies können Soldaten genauso wie im Ausland stationierte Diplomaten sein.

Unter dem Namen «CLOUDBERRY 2018» führte die Rüstungskooperation 2018 zum Beispiel Sprenggroßversuche durch. Eine Delegation der armasuisse nutzte damals diese Gelegenheit erstmals und konnte die Sprenggroßversuche vor Ort aktiv mitgestalten. Austragungsort war Älvdalen in Schweden. Die Vorbereitungen für diese Großversuche liefen mehrere Jahre. So mussten beispielsweise die modularen Schutzkomponenten, die getestet wurden, unter zum Teil anspruchsvollen Bedingungen im Ausland beschafft werden. Auch die multinationale Koordination vor Ort und die aufwändige Logistik, stellten große Herausforderungen an das Projekt. Der Versuchsort Älvdalen liegt äußerst abgeschieden und ist mit dem Auto nur über Schotterstraßen erreichbar. Dies macht die Logistik schwierig aber ermöglicht eben auch solche Versuche. Es ging zum Beispiel um die Fragestellungen zum baulichen Schutz gegen aktive Bedrohungen, zum Beispiel durch größere Fahrzeugbomben.

Die Schirmherrschaft 2018 hatte Norwegen. Dazu ließ Norwegen für die Testserien von ein 4-stöckiges Betongebäude erstellen. An diesem konnten dann verschiedene Fassadenelemente befestigt und angesprengt werden. Der Test wurde mit Hinblick auf den geplanten Neubau von Verwaltungsbauten in Oslo, Norwegen initiiert. Die Schweiz nutzte den 1. Stock für Versuche mit Mauerwerken. Im Fokus von «CLOUDBERRY» standen die Tests von Fassadenelementen gegen mittlere Ladungen, womit mehrere hunderte Kilogramm TNT-Äquivalent zur Umsetzung gebracht wurden.

Parallel zu den Fassadenelementen haben die Schweiz und Schweden unterschiedliche Typen von Dummies getestet. Ziel war es, die Auswirkungen der Luftstoßwirkung auf Personen einschätzen zu können. Dafür wurde ein möglichst einfacher, robuster Dummy entwickelt.

Bereits am 15. August 2019 folgte mit dem «SHIELD» (Super heavy improvised explosive loading device = Sprengladung mit extrem großer Sprengkraft) der nächste Großversuch, ebenfalls in Schweden. Bei «SHIELD» handelt es sich um einen Versuch, der «CLOUDBERRY» sowohl im Umfang der Testobjekte, wie auch der Größe der Sprengladung, um ein Vielfaches übersteigt. Allein die Bundeswehr hatte 2019 17 Testobjekte mitgebracht. Die deutsche Federführung hatte die Wehrtechnische Dienststelle für Schutz- und Sondertechnik (WTD 52). So kamen auch Schutzsysteme zum Zuge, die auch in den Einsätzen schon Verwendung finden.

Video zu SHIELD: https://www.youtube.com/watch?v=0frAMiIRdKc

Bundeswehr verfolgt mehrere Ansätze

Nicht Teil der Kooperation, aber in die gleiche Richtung, geht die Untersuchung, ob Pflanzen gegen Terror-Anschläge schützen. Pflanzen als Anti-Terror-Helfer?! Es ist ein ungewöhnliches Forschungsprojekt. Getestet wird die explosionshemmende Wirkung von sogenannten natürlichen Barrieren. Im Konkreten geht es um die Frage: Welchen effektiven Schutz für Leib und Leben bieten Hecken bei Terroranschlägen? Es klingt etwas komisch, hat aber einen ernsten Hintergrund. Wissenschaftler der Universität der Bundeswehr untersuchen gemeinsam mit zivilen Ingenieuren und Sicherheitsexperten der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) im Auftrag des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, welchen Beitrag Vegetation in städtischen Sicherheitskonzepten leisten kann. Gezielte Begrünung soll den öffentlichen Raum nicht nur verschönern, sondern künftig auch noch sicherer machen. Vergangene Sprengversuche an Pflanzen verliefen bereits vielversprechend, diesmal geht es bei den Tests Thujen und Eiben an den Kragen. Inwiefern können sie den Explosionen Stand halten?

Die Tests zeigen, dass Hecken, je nach Pflanzenart, 40% bis 64% des Explosionsdruck mindern können. Damit wird die Überlebensschutz von Personen verbessert werden.

Video: https://www.youtube.com/watch?v=BrvnSi_-gwY

(Beitragsbild: Forkert)

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