Military-off-the-Shelf Software für die Bundeswehr

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Digitalisierung in den Streitkräften – wir sprachen mit Sven Trusch, Vice President Business Development bei Systematic.

Herr Trusch, Systematic hat mit SitaWare Frontline den Zuschlag für das Battle Management System der Bundeswehr erhalten- was zeichnet Ihre Software aus?

Wir sind besonders stolz darauf, dass sich SitaWare Frontline nach umfassenden technischen und operationellen Tests im Wettbewerb beweisen konnte. Damit können die bereits eingeführten Fähigkeiten von SitaWare Headquarters als Führungsinformationssystem für die stationären und verlegefähigen Gefechtsstände der Landstreitkräfte auf Divisions-, Brigade- und Bataillonsebene nahtlos ergänzt werden. Die Produkte sind Bestandteil der SitaWare Suite, welche neben einzelnen C4I-Software Applikationen ein modulares und skalierbares Framework bereitstellt. Die Bundeswehr erhältdadurch erstmals die Möglichkeit, die Integration der Software in das IT-System der Bundeswehr sowie funktionale Erweiterungen herstellerunabhängig durch Nutzung eines Software Development Kits (SDK) vorzunehmen. Dies kann sowohl durch Industrie als auch durch entsprechende Dienststellen der Bundeswehr erfolgen.

In welchem Zeithorizont befindet sich das BMS?

Die wesentlichen Meilensteine seitens Systematic wurden bereits erfüllt. Dazu zählte neben Lieferungen der Standardsoftware und Dienstleistungen auch ein beachtlicher Anteil an Ausbildungen, welche durch unsere Trainer erbracht wurden. Ergänzend zur klassischen Ausbildung wurde auch ein eLearning Kurs erstellt, welcher gerade vor dem Hinblick der aktuellen COVID-19 Situation zumindest eine Ergänzung zur Präsenzausbildung darstellen kann.

Jetzt steht die Integration der Software auf die IT-Plattform und in die Fahrzeuge an. Die Bundeswehr führt diese Leistungen teilweise selbst, teilweise mit ausgewählten Partnerunternehmen durch.

Wie sehen Sie in diesem Bereich die weitere Digitalisierung der Streitkräfte?

Das BMS Projekt ist für alle Beteiligten ein wichtiger Meilenstein in der Digitalisierung der Streitkräfte. Das SitaWare C4I-Framework bildet nun das Rückgrat des Systemverbunds, in das zum einen alle Sensoren und Effektoren, zum anderen alle relevanten Akteure auf dem Gefechtsfeld eingebunden werden können. Die Aufstellung der Test- und Versuchsstrukturen sowie der Einführungsorganisation haben bereits Ihre Wirkung gezeigt, und tragen zur professionellen Vorbereitung und Umsetzung des Projekts bei. Die Nutzung einer Military-off-the-Shelf Software ist in diesem Bereich in vielerlei Hinsicht ein Novum und mit neuen Chancen und Herausforderungen verbunden. Für die Bundeswehr entsteht erstmals die Möglichkeit, ein Ökosystem auf- und auszubauen, welches den Rahmen für zukünftige Projekte bildet. Um die volle Effizienz dieser Strategie zu nutzen, muss diese auch über VJTF(L) 2023 hinaus weiterverfolgt werden. Die Fähigkeiten des SitaWare Frameworks reichen über die Anforderungen von Landstreitkräften hinaus, indem es auch spezifische Funktionalitäten für See- und Luftstreitkräfte beinhaltet.


Mit welchen anderen Produkten für Streitkräfte beschäftigt sich Systematic?

Im Kern sind all unsere Softwareprodukte im Bereich der Führungsinformationssysteme und der militärischen Interoperabilität angesiedelt. Für einen langfristigen Erfolg ist die permanente Innovation ein wichtiger Faktor. Die aktuellen Megatrends der IT, wie beispielsweise Big Data, Künstliche Intelligenz und Cloud Computing, werden maßgeblich die Weiterentwicklung der heutigen Systeme beeinflussen. Nur in einem gemeinsamen Ansatz können wir Vorreiter sein und diese Technologien zum Vorteil der Streitkräfte nutzen. Zu diesem Zweck arbeitet Systematic auf globaler Ebene mit renommierten Forschungsinstituten zusammen und führen Studienaktivitäten zusammen mit den Streitkräften durch, um den Einfluss dieser Megatrends auf die Roadmap unserer Produkte – und damit auf die Führungssysteme der Zukunft – zu analysieren. Hier werden wir in den nächsten Jahren einige maßgebliche Veränderungen sehen. Als Beispiele seien hier die Verlagerung von kartenzentrischen Führungssystemen hin zu datenzentrischen Systemen zu nennen als auch die Möglichkeiten, die durch immer besser werdende Kommunikationstechnologien entstehen.

Häufig sind die Beschaffungsprozesse der Bundeswehr in der Kritik- wie sehen Sie das?

Im Hinblick auf die Beschaffung von Software hat der Beschaffungsprozess für das BMS VJTF(L) 2023 gezeigt, dass eine Marktsichtung, Auswahl und Beschaffung innerhalb enger Zeitlinien möglich ist, wenn die vorhandenen Instrumente des CPM genutzt werden. Interessant ist, wie neue Geschäftsmodelle der Industrie Einzug in den Rüstungsprozess halten können. Das Systematic SitaWare Ökosystem ist hierfür ein gutes Beispiel. Unter Einbindung weiterer Kompetenzen der deutschen und internationalen Verteidigungsindustrie möchten wir die Chance nutzen, neue Wege zu gehen und innovative Lösungsansätze gemeinsam mit und für die Deutsche Bundeswehr zu entwickeln.

Vielen Dank.

(Beitragsbilder: Systematic/ Trusch)

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