Maaslose Empörung

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Was ein seriöses Blog wie unser „Zur Lage“ ist, das achtet natürlich peinlich genau darauf, eventuelle Falschmeldungen, sofern sie denn überhaupt jemals vorkommen sollten, unverzüglich zu berichtigen. Da setzen wir jetzt noch eins drauf: Wir berichtigen hiermit einen Beitrag, der noch gar nicht veröffentlicht worden ist.

Schauen Sie also einfach morgen früh nochmal rein. Thema ist das beeindruckende Jubiläum der deutschen Bundeswehr, die, anders als alle Vorgänger-Armeen, unbesiegt das Renteneintrittsalter erreicht hat. „Von der Öffentlichkeit unbeachtet“, so wird es an dieser Stelle in wenigen Stunden zu lesen sein. Stimmt aber gar nicht: Der Geburtstag war ein Thema in vielen Medien, unserem Außenminister Heiko Maas sei Dank!

Er hat nämlich, was nun aufmerksam ist, der Bundeswehr auf Twitter freundlich gratuliert. Aber das mit einem Foto, auf dem er einem belgischen (!) Soldaten die Hand schüttelt. Das hat viele Kommentatoren zu empörten Stellungnahmen veranlasst. Aber besser ein Shitstorm als gar keine Werbung, das wissen die Experten. Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann nahm es immerhin mit Humor: „Ob Mailand oder Madrid – Hauptsache Brüssel. Herzlichen Glückwunsch, liebe Bundeswehr. Hauptsache ist doch, dass sich unser Außenminister freut.“

Eine (mir immer noch sehr nahestehende) große Rheinische Tageszeitung ging mit mehr Ernst an die Verwechslung und die Genossen von der SPD heran, ich zitiere: „Tatsächlich macht sich der Linksschwenk bei Partei- und Fraktionsführung inzwischen auch personell bemerkbar. Fraktionschef Rolf Mützenich gab dem gestandenen Bundeswehrfachmann Hans-Peter Bartels den Laufpass und versorgte die Innen- und Rechtspolitikerin Eva Högl mit dem Amt der Wehrbeauftragten. Daraufhin schmiss auch der Bundeswehrexperte Johannes Kahrs hin. Und nächstes Jahr hört auch Fritz Felgentreu auf, die derzeit noch verlässlichste Größe in Sachen SPD und Truppe.“

Das kann man in Zusammenhang bringen. Muss man aber nicht. Die Geschichte war doch vermutlich ungleich banaler: „Hat nicht diese Bundeswehr heute irgendein Jubiläum oder sowas? Schreiben Sie denen schnell mal was Nettes, am besten mit Bild“, so etwa könnte die Anweisung von Heiko Maas an seine Mitarbeiter gelautet haben. Früher, in Zeiten der seligen Wehrpflicht, befanden sich im Umfeld eines deutschen Spitzenpolitikers noch diverse junge und dynamische Reserveoffiziere. Die hätten den Irrtum sofort bemerkt. So aber hat ein ungedienter MitarbeiterSternchenIn ein Foto aus dem Archiv herausgegrabbelt, in dem halt „irgendein Soldat mit dem Chef drauf ist“.  Wie sang schon der grimmige Liedermacher Wolf Biermann: „Soldaten sehn sich alle gleich/lebendig und als Leich.“

Stopp, das ist nicht nur fies, sondern auch viel zu ernst. Schnell zurück zum Spott-Tsunami im Internet: „Hä, wieso gratuliert der belgische Außenminister unserer Bundeswehr zum 65.?“, fragte etwa der Journalist und Autor Andreas Hallaschka. Der FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff schrieb laut n-tv: „Es ist so peinlich“ und habe in Klammern hinzugefügt: „Danke, Belgien, für euren Einsatz. Ihr könnt nichts dafür.“

Immerhin gratuliert Maas (die Szene spielt übrigens in Mali) einem Belgier und nicht etwa einem Nordkoreaner oder gar einem IS-Kämpfer. Belgische Fallschirmjäger haben uns damals beim Bürgerkrieg in Ruanda aus der Patsche geholfen, weil es die eigenen Politiker der Bundeswehr nicht zutrauten, in der Hauptstadt Kigali die von mordlustigen Aufständischen umzingelten Mitarbeiter der „Deutschen Welle“ zu retten.

Da Sie gerade eine Richtigstellung lesen, noch ein Schlenker in Richtung Pressekollegen: Wer auch immer im Rheinischen hat auf der Zeitungsseite mal eben den deutschen Soldaten links hinter Maas abgeschnitten, hoffentlich aus Platzmangel und nicht etwa, um die Sache optisch noch zuzuspitzen. Peinlicher ist, dass der verspottete Maas’sche Twitterlink inzwischen wieder gelöscht worden sein soll. „Feigheit vor dem Feinde“, so hätte es früher geheißen. Früher! Die Szene im fernen Afrika war doch wohl so: Heiko Maas wollte dem deutschen Soldaten gratulieren, was dem bescheidenen Mann aber zu peinlich war. Und so musste, siehe Ruanda, mal wieder Belgien einspringen.

Zu den Fotos: Das Bildschirmfoto des Twitter-Beitrags und der „Scherenschnitt“ einer Tageszeitung, die es nur auf den Punkt bringen wollte.

 

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